Restaurant Tipp, in: "Kölner Musikladen Nr. 3, 12/07"
von Stephan Lück und Bernd Stumm
Mit gemischten Gefühlen gehen wir in die Kölner Altstadt. Ist die Altstadt in der Vergangenheit doch eher ein Ort für Touristen und Messegäste gewesen. Wir haben jedoch den Tipp bekommen, dass es jetzt auch hier wieder für uns Kölner kulinarisch attraktiv sein soll. Schnell wissen wir, was der Grund dafür ist. Während andere Restaurants an der Rheinpromenade am frühen Montagabend sehnsüchtig nach Gästen Ausschau halten, werden wir schon vom äußeren Erscheinungsbild des Restaurants »Rheinzeit« magisch angezogen, denn hier ist auch jetzt schon richtig was los! Als wir das Lokal betreten, fällt uns direkt die ausgefallene Theke ins Auge. Sie wurde in Frankreich angefertigt und besteht aus Zinn. Die einladenden und klaren Linien des Interieurs und die sehr freundliche Begrüßung durch die Servicefachkräfte, lassen nicht die Spur einer Schwellenangst aufkommen. Hier fühlt sich jeder gleich willkommen!
Der Oberkellner begleitet uns zu einem Tisch im höher gelegenen, offen gestalteten Restaurantbereich vorbei an der einsehbaren sauberen Küche, in der Küchenchef Ginnaro Spinello das Sagen hat. Von hier oben wird uns deutlich, dass man hier nichts zu verbergen hat. Alles ist großzügig konzipiert. Die hochwertigen Holztische und -stühle stehen auf dunklen Dielen. Altes kommt hier neben Modernem gut zur Geltung und ergibt ein harmonisches Spiel. Der alte Klinker an den Wänden ist modern dekoriert und beides kommt durch die moderne Raum- und Tischbeleuchtung erst richtig zur Geltung. Wer hier nach getaner Arbeit noch ein Bierchen trinken will, kann sportliche Beiträge oder Musik auch über den großen Bildschirm, der hinter der Bar installiert ist, verfolgen. Und selbst das Besuchen des »stillen Örtchens« ist absolut beeindruckend. Es gibt hier kein unnötiges Mobiliar, vielmehr ist alles durchdacht und praktisch eingerichtet. Während wir ein ausgezeichnet, kühl gezapftes Kölsch serviert bekommen, setzen sich die beiden Inhaberinnen des Restaurants, Rita und Sarah zu uns und erklären uns die Entstehungsgeschichte des Lokals. Die zwei patenten, attraktiven Damen wissen, was sie wollen und legen wert auf ihre persönliche Präsenz für den Gast.
Man fühlt sich als Gast stets gut aufgehoben, denn diese kölsche Klarheit überträgt sich auch auf alle Mitarbeiter des Lokals. Das »Rheinzeit« ist kein Brauhaus. Dies zeigt sich auch im umfangreichen und hochwertigen Weinangebot. Stets wird man hier ausgezeichnet umsorgt und die umfangreiche Speisenkarte lädt zum Schlemmen ein, was einem auch durch den Anblick der Preise nicht verleidet wird.
Ginnaro legt besonderen Wert auf die Auswahl der Produkte und lockt mit vielen ansprechenden Gerichten. Besonders der im Steinofen gebackene Flammkuchen, die auf dreierlei Arten marinierten Matjesfilets, die uns auf der Zunge zergehen, der leckere rheinische Sauerbraten, der lauwarme Obstsalat und der hausgemachte Apfelstrudel mit Vanillesoße, haben es uns angetan. Reichlich portionierte Speisen, schöne Anrichteweise und frische Zutaten (auch Biofleisch im Angebot) bieten uns eine »ehrliche« Küche. Keinen »Sterneschnickschnack«, sondern klare Verhältnisse – kölsche Traditionen halt. Hier wird uns nichts vorgespielt.
Mit 100 Sitzplätzen im Aussenbereich bietet das »Rheinzeit« einen direkten
Blick auf die schäl Sick. Selbst hier wird Wert auf Stil gelegt, denn alle Sitzgelegenheiten sind aus hochwertigem Holz und sehr bequem.
Der Barcharakter des Schmuckstücks am Rhein kommt am Wochenende ab 22.00 Uhr so richtig zur Geltung. Denn dann werden hier beim Cocktaillunch
hochwertige, aber durchaus bezahlbare Cocktails geschüttelt und gerührt. Ja, die Bar… hier bleibt man wirklich sitzen. Auch als wir die kulinarischen Köstlichkeiten des italienischen Kochs und den ausgezeichneten Service des Oberkellners Gabor in allen Zügen genossen hatten, zog es uns zu einem leckeren Digestif an die wunderbare Theke (Thekenangebot: Espresso 1,– €) und es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir uns trennen konnten. Aber eins ist klar: Die Altstadt hat auch uns wieder!
Stephan Lück
Gastronom, Ernährungswissenschaftler und Lebensmitteltechnologe. Seit über 10 Jahren in der Aus- und Weiterbildung der Gastronomie tätig.
www.ernaehrung.lueck.com
Bernd Stumm
Seit 27 Jahren Lebensmittelkontrolleur der Stadt Köln. Buchautor und Dozent